Sensing beim Herzschrittmacher: Wahrnehmung, Sensitivität und typische Fehler

Wie erkennt das System intrinsische Signale – und wann wird es klinisch relevant?
Reizschwellentest bei Schrittmacher

Was bedeutet Sensing?

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Sensing (= Wahrnehmung) beschreibt die Fähigkeit des Systems, intrinsische elektrische Aktivität des Herzens zu erkennen.
Dabei werden die Signale über jede einzelne Sonde aufgezeichnet und die Amplitude in Millivolt (mV) gemessen. Signalqualität und Filter sind entscheidend für die Verarbeitung durch das Implantat.
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Typische Werte:

  • Atrium: ca. 1,5–5 mV (ggf. niedriger bei VHF)

  • Ventrikel: ca. 5–20 mV

Voraussetzung für

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  • korrekte Stimulation
  • zuverlässige Arrhythmieerkennung
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Stimulations-Modus festlegen (z.B. DDI / VVI)

Stimulations-Frequenz < Eigenrhythmus einstellen

Bestimmung des Sensings für alle Sonden

Bei fehlenden Signalen ggf. Anpassung der Testparameter

Threshold test checklist

Wie man das Sensing richtig testet

Ablauf: Befolge dieses Protokoll, um die Wahrnehmung zu messen und ggf. eine passende Sensitivität zu programmieren.

Oversensing & Undersensing

Oversensing

Das System erkennt „falsche“ Signale.
Typische Ursachen:
  • Wahrnehmung von T-Wellen
  • Muskelartefakte 
  • elektrische / elektromagnetische Interferenzen (EMI)
Mögliche Folgen:
  • inadäquate Hemmung der Stimulation
  • falsche Therapieauslösung (ICD/CRT-D)

Undersensing

Das System erkennt vorhandene intrinsische Aktivität nicht.
Mögliche Folgen:
  • unnötige Stimulation
  • fehlende / inkorrekte Arrhythmieerkennung

Beispiel aus der Praxis:

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Bei einem Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern werden die atrialen Signale nicht zuverlässig erkannt.
Die Folgen sind sowohl eine immense Anzahl registrierter Episoden, eine fehlerhafte Berechnung der Arrhythmielast und erhöhter Batterieverbrauch.

Ist das ein klassisches Undersensing? Wie reagieren?
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Genau solche Situationen sind im klinischen Alltag häufig entscheidend – und die Handlungskonsequenz nicht immer klar.

Häufige Fehler bei der Interpretation von Sensing und Sensitivität

  • Sensing und Sensitivität werden verwechselt
  • Grenzwerte werden nicht korrekt interpretiert
  • Oversensing wird unterschätzt
  • Undersensing bleibt unentdeckt
Common pitfalls and how to avoid them

Warum ein korrektes Sensing entscheidend für die Therapie ist

Inadäquate Therapie

Oversensing kann zu unnötiger Hemmung der Stimulation oder inadäquaten ICD-Therapien führen.

Arrhythmien werden nicht erkannt

Bei Undersensing bleiben relevante Rhythmusstörungen unentdeckt,
mit potenziell fehlender oder verzögerter Therapie. Das gilt sowohl für Herzschrittmacher als auch ICD-Systeme.

Fehlinterpretation diagnostischer Daten

Zu viele unklare oder fehlerhafte Episoden erschweren die klinische Einordnung und führen zu falschen Entscheidungen in der Nachsorge. 

Unsichere Programmierung

Ohne korrektes Verständnis von Sensing und Sensitivität werden Einstellungen der Parameter angepasst, ohne die eigentliche Ursache zu beheben.
Bereit für die Praxis

Sensing ist mehr als ein technischer Parameter – es ist die Grundlage dafür, ob das Device intrinsische Aktivität korrekt erkennt und darauf richtig reagiert.

Die Herausforderung im klinischen Alltag liegt selten in der Messung selbst, sondern in der sicheren Interpretation und der richtigen Konsequenz für die Programmierung.

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