Reizschwelle testen bei ICD, CRT und Herzschrittmachern

Was bedeutet die Reizschwelle, wie wird sie gemessen und wann wird sie problematisch? Praxisnah für sichere Programmierung und frühzeitiges Erkennen klinisch relevanter Veränderungen erklärt.
Reizschwellentest bei Schrittmacher

Was ist die Reizschwelle?

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Die Reizschwelle ist die minimale zugeführte Energie, die benötigt wird, um eine zuverlässige Erregung des Herzmuskels herbeizuführen. Klinisch wird sie als die niedrigste Impulsamplitude (V) quantifiziert, die bei einer definierten Pulsbreite (ms) immer zu einer Kontraktion des Herzmuskels führt.
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Wie gemessen wird

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  • Spannung (V): niedrigste Spannung, die bei der eingestellten Pulsbreite noch erfasst wird

  • Pulsbreite (ms): Pulsdauer, die während Tests und Programmierung verwendet wird

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Sicherheitsmarge

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Die programmierte Energie (Amplitude/Pulsbreite) muss über dem gemessenen Schwellenwert eingestellt werden, um ein dauerhaftes Capture zu gewährleisten (Sicherheitsmarge). Typischerweise wird die Reizschwelle verdoppelt oder ein fixer Wert (z.B. 1V) zur Impulsamplitude addiert.
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RA/RV

Typische Schwelle: ca. 0,5–1,5V / 0,4 ms.

LV

Kann höher sein: bis >2V  / 1–1,5 ms.

Klinischer Hinweis

Nicht der absolute Wert zählt, sondern Veränderungen im Verlauf.

Stimulations-Modus festlegen (z.B. DDD / VVI)

Stimulations-Frequenz > Eigenrhythmus einstellen

Schrittweise Senkung der Impulsamplitude

Reizschwelle finden

Ggf. Amplitude / Impulsdauer anpassen

Threshold test checklist

Wie man die Reizschwelle richtig testet

Ablauf: Befolgen Sie dieses Protokoll, um die Reizschwelle zu messen und eine ausreichende Sicherheitsmarge zu programmieren.

Wann wird die Reizschwelle klinisch relevant?

Die Messung ist nur der Anfang: Entscheidend ist, ob die Änderung noch akzeptabel ist, wann die Gefahr eines Capture-Verlusts steigt und welche Programmierung eine dauerhafte Sicherheit gewährleistet. Mit klaren Grenzwerten und einem strukturierten Vorgehen vermeidest du Stimulationsverlust, unnötige Eingriffe und Patientengefährdung.

  • Beobachten und zeitnah wiederholen: kleiner, stabiler Anstieg – Abstände der nächsten Nachsorge verkürzen und im Verlauf prüfen

  • Umprogrammieren: anhaltender Anstieg oder drohender Capture-Verlust; Sicherheitsmarge prüfen, Amplitude oder Pulsbreite anpassen und zeitnah erneut testen

  • Eskalieren bei Verdacht auf Sondenproblem: Diagnostik starten (z. B. Telemonitoring, Bildgebung) und / oder Revision erwägen

Beispiel aus der Praxis:

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Die Reizschwelle steigt innerhalb von drei Monaten von 0,8 V auf 1,8 V. Ist das noch im erwartbaren Verlauf – oder ein Hinweis auf eine relevante Veränderung? Und wann wird eine Anpassung der Programmierung notwendig?
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Du kannst die Reizschwelle messen – aber kannst du sie sicher bewerten?

Im klinischen Alltag entstehen Unsicherheiten bei:
  • Grenzwerten („noch normal oder schon problematisch?“)
  • Entscheidung zur Programmierung
  • Unterscheidung zwischen Messfehler und Sondenproblem
Common pitfalls and how to avoid them

Wichtige Pitfalls & Tipps

Stimulations-Frequenz zu niedrig

Wenn die Testfrequenz unter der intrinsischen Frequenz des Patienten eingestellt ist, kann die Schrittmacheraktivität keine Erregung erzeugen. Die Reizschwelle ist dann nicht definierbar. Stelle die Frequenz so hoch ein, dass die intrinsische Aktivität zuverlässig überschritten wird, bevor die Reizschwelle gemessen wird.

Intrinsischer Rhythmus unklar

Wenn der zugrunde liegende Rhythmus und eine SM-Abhängigkeit nicht erfasst wird, können bei Absenkung der Amplitude Schwindel, Hypotonie oder Synkope auftreten. Identifiziere zuerst eine mögliche Schrittmacher-Abhängigkeit und plane eine sichere Backup-Lösung (Frequenz, Output, Überwachung). Beende den Test rechtzeitig, bevor eine längere Asystolie auftritt!

Vorhofflimmern

Bei Vorhofflimmern (VHF) und atrialen Tachykardien (AT) ist sind die atrialen Frequenzen i.d.R. höher, als es die Testeinstellungen zulassen. Ein atrialer Reizschwellentest ist daher nicht zielführend bzw. nicht durchführbar. In dem Fall sind ausschließlich ventrikuläre Reizschwellen relevant.

Andere praktische Faktoren 

Die Reizschwelle kann sich bei akuter Ischämie, Alterung der Elektroden, Elektrolyt-Verschiebungen und durch Medikamente wie Antiarrhythmika ändern. Eine Überprüfung nach klinischen Veränderungen ist daher sinnvoll. Eine Dokumentation der Testergebnisse ist wichtig, besonders bei Veränderungen.
Bereit für die Praxis

Lerne Reizschwellen hands-on zu testen, sicher zu interpretieren und verantwortungsvoll zu programmieren

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